Quark im Pfandglas: eine Herausforderung…

Manche Milchprodukte gibt’s sogar im „normalen“ Supermark im Glas.

Auf dem Weg zu einem plastik(-müll-)freien Einkaufsverhalten stellen sich dem Neuling heutzutage etliche Probleme in den Weg, für die es gar nicht so einfach ist, eine Lösung zu finden:

In der Filiale einer Bio-Supermarktkette, die sich in meiner Nähe befindet und in der ich – so es das Studentenbudget zulässt – hin und wieder einkaufe, gibt es ein ganz erfreuliches Angebot an Milch und Milchprodukten in Pfandgläsern: Vollmilch, Magermilch, Buttermilch, Schwedenmilch, Sahne, Naturjoghurt (mit verschiedenstem Fettgehalt), Fruchtjoghurt, Schafsmilch, Schafsjoghurt… Echt gut, eigentlich.

Zwei Produkte, die mir doch recht am Herzen liegen, gibt es dort allerdings nicht – also: nicht im Pfandglas. Im Plastikbecher selbstverständlich schon, denn in Plastik bekommt man bekanntlich ja alles: Es handelt sich um 1. Quark und 2. Sauerrahm.
Auf den Sauerrahm könnte ich im Zweifelsfall sogar verzichten und ihn bei den meisten Rezepten durch Quark oder Joghurt ersetzen. Aber ohne Quark? Ja, es geht. Aber es bedarf doch immer wieder langwieriger Recherchen, wodurch man ihn für dieses oder jenes ersetzen kann (nicht selten lautet der Ratschlag dann übrigens: „Nimm stattdessen doch einfach Sauerrahm!“). Das nervt.

Als prinzipiell eher an Lösungen orientierter Mensch fasste ich mir also neulich ein Herz und schrieb der Molkerei Schrozberg, die die vielen oben genannten Produkte vertreibt, eine E-Mail. Mit der Überlegung, dass ich ja vielleicht-möglicherweise-hoffentlich nicht die einzige bin, die solche E-Mails schreibt und man vielleicht-möglicherweise-hoffentlich die Produzenten nur genug nerven muss, damit sie den Kundenwünschen nachkommen.

Soweit, so gut. Nach einigen Tagen kam tatsächlich auch eine Antwort:

Sehr geehrte Frau 〈…〉,

vielen Dank für Ihre Anfrage und das Interesse an unseren Produkten.

Als eine der ersten Molkereien begann die Molkerei  Schrozberg bereits 1974 mit der Verarbeitung von Demeter-Milch.

Unsere Tankwagen sammeln im Durchschnitt täglich rund 50.000 Liter Rohmilch bei den 90 Demeter-Landwirten und Molkereigenossen ein, die im Umkreis von etwa 120 Kilometern um Schrozberg herum angesiedelt sind. Lange Wege bleiben der frischen Milch damit erspart, da sie  nach ihrem Eintreffen in der Molkerei in Schrozberg direkt zu qualitativ hochwertigen Milchprodukten weiterverarbeitet wird.

Unsere Landwirte kommen aus der der ländlichen Hohenloher Region Kocher, Jagst und Tauber.

Unser Anspruch ist es, dass nur leckere, bekömmliche und gesunde Demeter-Produkte nach höchsten Qualitätsstandards unsere Molkerei verlassen. Daher versuchen wir immer auch auf die Wünsche unserer Kundschaft einzugehen. Vor mehreren Jahren hatten wir bereits ein Quark im Glas in unserem Sortiment, doch leider wurde die abgenommene Menge immer weniger, sodass es sich die Abfüllung leider nicht mehr lohnte.

Aber ganz aus unseren Köpfen haben wir es auch nicht, also wer weiß vielleicht starten wir irgendwann noch einmal einen zweiten Versuch.

Die Deckel der Joghurtgläser werden gesammelt und anschließend recycelt.

Wir hoffen wir konnten Ihre Fragen beantworten und wünschen Ihnen eine schöne sonnige Woche.

Viele Grüße

Andrea 〈…〉
(Qualtitätssicherung)

So etwas zu lesen, stimmt mich sehr nachdenklich:

  • Es gibt die Möglichkeit, ein Produkt in einer müllvermeidenden, nachhaltigen Verpackung zu verkaufen.
  • Der Hersteller hat auch durchaus ein Interesse daran, dies zu tun.
  • Bei anderen Produkten – auch solchen wie Schwedenmilch oder Schafsmilchjoghurt! – funktioniert das auch.
  • Nur beim Allerwelts-Produkt Quark lohnt es sich nicht, weil die Kunden lieber den Plastikquark kaufen wollen??

Irgendwas läuft da doch schief.

Leute, kauft mehr eurer Milchprodukte im Pfandglas! Und signalisiert bittebitte den Produzenten, dass ihr ein ehrliches Interesse daran habt, dass eure Nahrungsmittel ohne umwelt- und gesundheitsgefährdende Verpackungen zu euch kommen! Vielleicht war dann meine E-Mail nicht umsonst, sondern die erste von vielen, die der Molkerei Schrozberg zeigen, dass wir sie dringend brauchen!

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26 Gedanken zu „Quark im Pfandglas: eine Herausforderung…

  1. Das erschreckt mich ja auch immer wieder. Schön, dass viele Leute inzwischen bio kaufen wollen. Aber wieso unbedingt in x Schichten Plastik verpackt? Im Supermarkt ist bio oft schlimmer verpackt als konventionelle Lebensmittel. Letztens dachte ich, ich kaufe Bio-Knäckebrot in einem Pappkarton (okay, ich habe schon geahnt, dass noch eine Plastiktüte darunter ist). Aber nicht, dass je 5 Scheiben noch einmal separat eingeschweißt sein würden!! Offenbar ist die Bio-Zielgruppe nicht ganz deckungsgleich mit denen, die Verpackungsmüll reduzieren wollen. Schade. Gut, dass du einen Aufruf startest.
    Übrigens gibt es in Dänemark, wo ich die letzten Jahre gewohnt habe, gar keinen Quark. Ich bin dann immer auf Creme Fraiche oder Joghurt ausgewichen. Geht bei den meisten Rezepten ganz problemlos.
    Und gestern hab ich zum ersten Mal versucht aus Milch und etwas Joghurt selbst Naturjoghurt nachzuzüchten. Hat prima geklappt. Vielleicht gibt es da auch Rezepte für Quark? Würde zumindest viel Geld & Plastik sparen 🙂
    Viele Grüße,
    Marlene

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    1. Danke für die vielen Tipps!
      Joghurt habe ich auch schon mal selber gemacht, aber da ich im Grunde stinkfaul bin und man Joghurt in sämtlichen Geschmacksrichtungen bequem im Glas bekommt, war ich dann auf die Dauer doch zu faul, das durchzuziehen… 😀
      Ich habe auch schon Rezepte gefunden, um Quark selber zu machen, leider braucht man (zumindest für den „richtigen“ Quark) dafür Lab und es ist etwas aufwändiger als beim Joghurt.
      Frischkäse habe ich neulich mal probiert, indem ich einfach Buttermilch erhitzt habe, bis sich Molke und Bruch getrennt haben, und dann in einem Tuch abtropfen lassen. Leider ist der „Wirkungsfaktor“ nicht besonders hoch und die viele Flüssigkeit, die dabei abtropft, schmeckt nicht besonders gut 😦
      Angeblich soll man Crème fraiche aus Sahne und Zitronensaft herstellen können, mal sehen, ob ich das demnächst mal versuche. „Pip forscht“, oder so…

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    1. Äh ja, über die Linkparade bin ich auch schon mal gestolpert… Da die Bloggerei noch ziemlich neu für mich ist und ich mich noch nicht so gut zurechtfinde, kann das ein wenig dauern, bis ich herausgefunden habe, wie das geht… „Backlink“, aha… „InLinkz“, ja. Und da sagt man, der Jahrgang 90 zählt zu den digital natives, also ich schonmal nicht 😀 Ich tu mein Bestes!

      Edit: Ok, is idiotensicher. Das krieg sogar ich hin 🙂

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      1. Ach wie schön, du hast es geschafft! 🙂 Ich wusste vor ein paar Monaten selbst noch nicht, was eine Linkparty ist 😉 Sammelt aber schön die vielen interessanten Blogs zum Thema Nachhaltigkeit. Und nochmal zum vielen Selbermachen: Ich finde auch, das muss entweder viel Spaß machen oder mit wenig Aufwand einfach gehen. Sonst ist es besser, als Verbraucher so wie du einfach mal Druck zu machen und nachzufragen, wieso das nicht nachhaltiger geht. Eine Zukunft, in der alle zu Selbstversorgern mutieren, ist eher unrealistisch :-))
        Viele Grüße,
        Marlene

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  2. […] – Alltag & Konsum (Umweltfreundlicher auswärts essen und trinken; Stoffwindeltest: gDiapers gPant; REZENSION: ETSY TASTEMAKER DIY; Umweltfreundlich trinken ; Rezension: HOLZSPIELZEUG; Neutralisierung von Pestiziden auf Gemüse und Obst; Wofür leben wir eigentlich? – Neues Magazin; Gelatine als Nahrungs-TÜV; Rezension: Olli ist ein Ollifant, Fachwerksanierung, gerettete Lebensmittel; Alternativen für Zucker; REZENSION: BIOKOSMETIK; Radwandern; Quark im Pfandglas) […]

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  3. Das mit dem Schreiben an die Molkerei ist eine Super Idee! Das werde ich auch gleich mal machen.
    Ich hatte ja auch schon wegen eines nachfühlbaren Pritt-Stift beim Hersteller angerufen. Da kam eine ähnliche Ansage. Nämlich, dass die Nachfrage nicht groß war. Ich denke aber, dass sich das ändern wird, weil immer mehr Leute ihren Plastikmüll reduzieren wollen…..

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  4. Hallo kleinpipi,

    für das Quarkproblem habe ich leider noch keine Lösung gefunden, aber für das Frischkäseproblem was super Einfaches: ein Geschirrtuch in ein Sieb legen, Naturjoghurt (am besten wohl etwas fetteren, ich hatte nur 1,5%igen) einfüllen und das ganze im Kühlschrank über Nacht in eine Schüssel tropfen lassen. Das was in dem Geschirrtuch übrig bleibt ist dann ein prima Frischkäse, der mit Kräuter o.ä. weiter verarbeitet werden kann. Er war ein bisschen fest und trocken, aber trotzdem sehr lecker. Mit einem höheren Fettgehalt wird er bestimmt besser. Mit der abgetropften Flüssigkeit habe ich heute dann Brot gebacken (statt die frische Hefe im Wasser, einfach darin auflösen). Hat wunderbar geklappt.
    Aus 500ml Joghurt habe ich ca. 150g Frischkäse bekommen.

    Für Quark habe ich ein ähnliches Rezept auf YouTube gefunden, aber ich brauch zum Kuchenbacken so viel Quark da ist dann der Aufwand ziemlich ziemlich groß. Muss ich mir nochmal überlegen…

    LG Dini

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    1. Ja, das Rezept habe ich auch schonmal ausprobiert. Mit 3,5%igem Joghurt wurde der Frischkäse auch richtig lecker und konnte es mit seinen gekauften Verwandten durchaus aufnehmen.
      Ich glaube, ich werde in nächster Zeit mal verschiedene Frischkäse-Rezepte ausprobieren und einen Vegleich dazu schreiben. Was meinst du?

      Viele Grüßis, Pip

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      1. Hey,

        ohje jetzt hab ich erst gesehen, dass ich deinen Namen falsch geschrieben hab (wobei kleinpipi echt niedlich klingt :D)
        Ohja ich bin sehr gespannt auf deine Erfahrungen! Ich werde vorerst bei der Abtropf Variante bleiben, weil ich das echt simpel und gut machbar finde – im Gegensatz zu den Quarkrezepten.

        Ich finde deinen Blog toll, weil ich auch gerade am Anfang der ganzen „Wenig Müll“ Sache bin. So nach und nach versuche ich ein Paar Sachen zu ersetzten.
        Vielleicht noch ne kleine Frage die das Quarkthema nur ein bisschen streift: Was nimmst du denn als Frischhaltefolien Ersatz? Also auf einen Teller mit Nudeln o.ä. stell ich einfach nochmal nen Teller. Aber beim Quark den ich einfach nur in dem blöden Plasik bekomm (im Glas hätte ich das Problem nicht) oder bei einer angeschnittenen Gurke ist mir noch nichts gutes eingefallen…

        Viele Liebe Grüße
        Dini

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        1. Frischhaltefolie, ohje… Ich muss gestehen, dass ich sie bisher nicht so sehr vermisst habe. Denn solange ich den Quark nur im Plastikbecher kaufen kann, kaufe ich ihn gar nicht mehr und ersetze ihn einfach durch irgendwas anderes (Joghurt, Frischkäse u.ä.), was entweder einen Schraubverschluss hat oder was ich in eines meiner geliebten Weck-Gläschen umfülle.
          Und die Gurke… esse ich auf! 😀 (Wer jetzt denkt, dass ich ganz schön verfressen bin, der hat wohl nicht ganz unrecht).

          Es gibt Deckel aus Silikon, die sich durch Unterdruck an der Öffnung des Behälters ansaugen und ihn so verschließen (hab ich z.B. bei Edeka gefunden, eine Mini-Variante gibt es auch bei Waschbär: https://www.waschbaer.de/shop/silikon-mini-deckel-1-stuck-23797?searchPage=1&searchRow=1), in verschiedenen Größen. Ob das auch bei Quarkbechern, die ja gerne mal eckig sind, funktioniert, weiß ich leider nicht.
          Und dann gibt es noch die sagenumwobenen Bienenwachstücher, von denen ich schon lange mal eins testen wollte, z.B. „Abeego“. Die funktionieren etwa wie Alufolie, also haften (durch die Wärme der Hände beim Einwickeln) an sich selbst, aber nicht am Essen, das dürfte evtl. für die Gurke funktionieren. Ich glaube, auf einem Blog gab es auch mal eine Anleitung, wie man diese Tücher selber machen kann (war es bei der Zero Waste Familie?).

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          1. Ah, Bienenwachstücher. Ich habe mir die von BeesWrap (http://naturlieferant.de/online_laden/) gekauft und bin super zufrieden! Anfangs war ich etwas irritiert, als es in der Küche nach Honig roch. Das hält auch Brot superfrisch und deckt alles andere luftdicht ab. Ich habe mir neulich einen Schwung aus der Plastikfreien Zone mit nach Augsburg genommen. Die werde ich (wenn ich endlich mal einen Termin für einen plastikfreien Stammtisch für den Augsburg festgelegt habe) auch dorthin mitbringen. 😉

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  5. Hallo, bin heute überraschend fündig geworden. Quark im Pfandglas ☺ In Düsseldorf bei manufaktum gibt es tatsächlich Quark im Glas. Schade das es nicht mehr Geschäfte gibt. Es ist garnicht so leicht auf Plastik zu verzichten.
    LG Astrid

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  6. Bei dm gabs mal Teelichter ohne Hüllen, die sind auch wieder aus dem Sortiment verschwunden. Zum Heulen. Ich bestelle die jetzt bei Glafey. Achja genau, und das werd ich jetzt sofort dm mailen. 🙂

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  7. Pfandglas in Ehren… aber funktioniert leider immer weniger…
    Ich habe selber einen Naturkostladen und habe immer viel Wert darauf gelegt, Produkte in Pfandsystemen zu bevorzugen, aber …
    Auch wenn sich ein paar wenige dafür einsetzen, das Mehrweg gestärkt wird, ist die Masse leider dazu nicht bereit.
    Die Masse weigert sich den Transport der leeren Gefäße zu händeln, sowohl das Mehrgewicht beim Einkauf, als auch den Rücktransport in den Laden.
    Es hat keinen ‚geldwerten Vorteil‘, im Gegenteil, man zahlt nicht nur Pfand sondern, wenn man mal genau hinschaut auch einen deutlichen Aufpreis fürs Glas. Man braucht nur mal das gleiche Produkt im Einweg und Pfandglas zu vergleichen…
    Geiz ist Geil…

    Solange die Einwegverpackungen keine gehörigen Strafgebühren bekommen, solange ein Produktpreis nicht den Umwelt-Kostenfaktor beinhaltet.. solange wird sich an der Situation nichts ändern…
    Die aktuelle Berichterstattung über Plastik in den Weltmeeren interessiert auch wieder nur einen kleinen Teil, dabei betrifft es uns alle.. aber wie heißt es so schön …

    Nach mir die Sintflut.
    Wir sägen an dem Ast auf dem wir sitzen, aber brechen tut er ja erst, wenn unsere Kindeskinder auf der Welt sind.

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  8. Liebe Pip, liebe Leser,
    auf Nachfrage teilte die Molkerei Schrozberg nun mit, dass sie den Quark im Pfandglas ab kommendem Frühjahr herstellen werde. Das ist doch eine fantastische Nachricht! 😀

    Du hast einen tollen Blog, Pip! Ich lese ihn sehr gerne!

    Liebe Grüße
    die Ökohexe

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