plastikfrei Zähneputzen

Eine der häufigsten Fragen, die ich regelmäßig gestellt bekomme, seit ich versuche, das Plastikaufkommen im Haushalt zu reduzieren, ist seltsamerweise nicht: „Was kannst du denn dann noch essen?“ oder „Musst du dann nicht deinen Kleiderschrank komplett leer räumen?“, sondern:

„Ha! Wie willst du dir denn bitteschön dann die Zähne putzen?!?“

Meistens hat diese Frage auch noch so einen leicht hämisch-spöttischen Unterton – falls ihr wisst, was ich meine. Die Zahnbürste scheint regelrecht das Sinnbild des Plastikwahnsinns an sich, aber auch die Aussichtslosigkeit aller Plastikvermeidung gleichermaßen zu verkörpern…

Hier kommt also der Bericht für alle Kritiker, Spötter, Besserwisser – und für alle, die tatsächlich ernsthaft an dieser Frage interessiert sind 😉

Dazu muss ich sagen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie man seine Zähne plastikfrei putzen kann. Ich stelle hier eben die Lösung vor, die ich momentan für mich gefunden habe. Vielleicht probiere ich in Zukunft noch weitere aus, aber diese hier funktioniert seit nunmehr einigen Wochen ganz gut:

Buchenholz-Zahnbürste mit Naturborsten von Redecker
Buchenholz-Zahnbürste mit Naturborsten von Redecker

Meine Zahnbürste habe ich bei plasno.de bestellt, die besteht aus Buchenholz und Naturborsten. Die sogenannten „Naturborsten“ stammen in diesem Fall vom Schwein, d.h. das Ding ist (leider) nicht vegan, was mich allerdings nicht davon abhält, sie zu benutzen. Das erste, was auffällt, wenn man die Bürste sieht, ist, dass der Griff relativ kurz ist. Für meine kleinen Patschehändchen ist das kein Problem, es war anfangs nur etwas ungewohnt.
In manchen Kundenrezensionen verschiedener Onlineshops habe ich gelesen, dass das Gefühl des Holzes an der Wangeninnenseite als unangenehm oder gewöhnungsbedürftig empfunden wurde. Das ging mir allerdings gar nicht so, die Zahnbürste berührt die Wange kaum – vielleicht sperr‘ ich den Mund ja einfach überdurchschnittlich weit auf??
Was anfangs allerdings etwas unangenehm war, war die Härte der Borsten: Während der ersten zwei oder drei Tage hat deswegen auch mein Zahnfleisch leicht zu bluten angefangen. Das war aber wirklich nur leicht und hat sich auch schnell gegeben, da die Borsten bald weicher wurden.
Ebenfalls nur am Anfang hatte ich ein Problem mit dem Geschmack, denn leider schmecken die Borsten anfänglich etwas… naja… „tierisch“ halt irgendwie. Der Geschmack ist zwar nicht sonderlich intersiv, erinnert aber sehr an den Geruch von Gallseife *örks* Aber auch das hat sich nach zwei oder drei Tagen gegeben und ich kann nun schweinegeschmacksfrei die Zähne putzen 🙂

Zahnputztabletten "Denttabs"
Zahnputztabletten „Denttabs“

Zu jeder Zahnbürste gehört natürlich auch Zahnpasta. Im Netz findet man eine ganze Reihe verschiedener Rezepte, um sich die selbst herzustellen. Die meisten enthalten entweder Natron, Xylith, Kokosöl oder alles zusammen. Da ich aber auf meine Beißerchen sehr stolz bin (Fünf Jahre Zahnspangen-Folter sollen nicht umsonst gewesen sein!!), war mir das Selbermachen für den Anfang doch etwas heikel und die Umstellung auf die Naturborsten-Bürste für’s erste genug. Ich wollte daher auf ein professionell hergestelltes und medizinisch getestetes Produkt zurückgreifen, ans Selbermachen kann ich später schließlich immer noch mal gehen.
Mittlerweile sind sogenannte Zahnputztabletten, v.a. der Firma „Denttabs“, recht bekannt, allerdings erhält man die meist im Plastikdöschen, was ich ja gerade vermeiden will. Bei Monomeer bekommt man die Dinger großartigerweise aber auch aus der 3kg-Großpackung abgewogen und plastikfrei geliefert. Man erhält jeweils 100g, wahlweise mit oder ohne Fluorid, in einer Tüte aus Kraftpapier mit einer hübschen roten Papierschleife drum herum.
Die Tablette wird dann einfach zerkaut (ein gewisses Mindestmaß an Spucke ist sehr hilfreich), dann können die Zähne wie mit gewöhnlicher Zahnpasta geputzt werden. Es schäumt wenig bis gar nicht und hinterlässt einen leicht süßlichen, aber unaufdringlichen Geschmack nach Minze.

echte Zahn-Seide
echte Zahn-Seide

Was mir meine Zahnärztin mit unendlicher Geduld immer wieder ans Herz legt, ist die Verwendung von Zahnseide. Ich geb zu, ich bin da nicht die konsequenteste, aber vielleicht wird das ja jetzt besser, wo ich doch jetzt die richtige, echte, originale Zahnseide besitze: Die ist nämlich aus Seide – wer hätte es gedacht 🙂 – und heißt Vömel.
Verpackt ist sie stilsicher in einem Glasröhrchen mit Metallverschluss, an dem man sie, wie ihre Plastik-Schwester auch, ganz einfach abreißen kann. Erhältlich ist sie ebenfalls bei Monomeer, auch als Nachfüllpack.

improvisierte Zahnbürsten-Reisedose
improvisierte Zahnbürsten-Reisedose

Und dann habe ich noch eine zufällige Entdeckung gemacht: Nämlich habe ich in meinem unerschöpflichen Schreibtisch-Fundus eine Kugelschreiber-Schatulle gefunden, in die die Zahnbürste wunderbar hineinpasst! In Zukunft wird mir das gute Stück also auf Reisen als Zahnbürsten-Aufbewahrung dienen. 🙂

So, das ist mal der momentane Stand, was meine plastikfreie Zahnpflege angeht. Wie gesagt: Es handelt sich dabei wahrscheinlich nur um einen Zwischenstand, denn wer weiß, was ich in naher Zukunft noch testen und verändern werde. Bis jetzt funktioniert das so aber für mich ganz gut.

Wer weitere Anregungen, Tipps oder Erfahrungsberichte zu dem Thema liefern kann: Immer her damit! Ich freu mich tierisch drüber 🙂


Und weil es so gut passt, füge ich diesen Blogeintrag zur EiNaB-Blogparade, die diesen Monat bei Zwischengeflecht stattfindet.

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15 Gedanken zu „plastikfrei Zähneputzen

  1. Oh ja, die Frage mit genau dem Tonfall kenn ich auch zu gut. Und deine Antwort darauf ebenfalls. Da meine Zahnärztin ebenfalls immer mit Zahnseide ankommt, hab ich jetzt tatsächlich einen Altbestand Zahnseide gefunden und freue mich schon, wenn ich die aufgebraucht habe, um dann auch zur Luxusvariante im Glasdöschen zu greifen!
    LG Zora

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  2. Wow, das fand ich jetzt vor allem wegen der Links zu den Online-Warenhäusern interessant! Da ich ja nicht unbedingt konsequent völlig plastikfrei werden möchte, ist mir meine Wechselkopfzahnbürste öko genug, und mit meinem Zahnputzpulver bin ich nach wie vor zufrieden – aber ich verneige mich vor der Konsequenz, und ich werde mir die Links (und dies Blog, das kannte ich auch noch nicht) mal genauer anschauen! Dankeschön 🙂

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      1. Ja, das ist wirklich ein Problem und mit vielen Dingen so; ich habe mir auch schon in allen Städten im Umkreis die Füße wundgelaufen zB nach einer plastiklosen Bürste usw, habe Diskussionen in Läden geführt und mit den Leuten dort Kataloge gewälzt – um letztlich doch nur online fündig zu werden. Schade!!

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    1. Hallo,
      also eigentlich ist das einfach ein Stifteetui von einem Kugelschreiber. Ich glaube, die kann man auch auf ebay bestellen, eben mit nem Stift drin. Sowas hier z.B.: http://www.ebay.de/itm/Metall-Kugelschreiber-im-Metalletui-Stuckzahl-Varianten-mit-Diamant-Gravur-/111188334543?var=&hash=item19e35757cf
      Es passt allerdings keine „handelsübliche“ Zahnbürste rein, weil die zu lang sind. Nur diese Redecker Bürsten, die haben einen recht kurzen Griff, daher ist die Dose groß genug.
      Viele Grüße,
      Pip

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  3. Toll, die Zahnseide kannte ich noch nicht. Sieht edel aus! Werde ich als nächstes probieren, wenn der Altbestand alle ist. Übrigens gibt es als Alternative zu den Schweineborsten auch Bambusbürsten, fand ich fast besser, schimmeln auch nicht so leicht wie die anderen. Jetzt probiere ich gerade die Zwak-Zahnbürste aus… LG, Marlene

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  4. Hinsichtlich der Zahnseide bin ich noch immer auf der Suche nach einer plastikfreien Alternative.
    Echte Seide kommt für mich nicht in Betracht. Für die Gewinnung von nur wenig Seide werden tausende Raupen lebendig in heißem Wasser oder mit Wasserdampf vor dem Schlüpfen getötet, auch bei Bio-Seide (»Bio« bezieht sich lediglich auf den Anbau der Bäume, an denen die Raupen gezüchtet werden). Das ist nicht gerade Ehrfurcht vor dem Leben.

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  5. Ich benutze noch meine normale Zahnbürste und Zahnpasta, weil der Vorrat nunmal noch da ist, aber diese Zahnseide aus echter Seide im Glas hab ich schon. Gab’s tatsächlich bei mir im Bioladen um die Ecke. Aber ich glaub, die haben da kein Nachfüllpack. Und die Glasröhrchen sind auch alle nochmal in einer Minizipplogtüte verpackt gewesen.
    Werd demnächst auch mal Alternativen ausprobieren, was das Zähneputzen betrifft.
    Danke, für den informativen Post. ^^

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  6. Hah…die Zahnbürste habe ich auch und ich liebe sie.

    Das, wo ich im Moment noch experimentiere, ist die Zahnputzhilfe…also Zahnpata & Co. Noch habe ich für mich nicht das richtige gefunden. Aber das kommt noch.

    LG von Karin

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