Milch von der Haferkuh – für’s Klima

Sicher habt ihr schon mal vom „ökologischen Fußabdruck“ gehört: Das ist ein Verfahren, den eigenen Lebensstil in Flächenäquivalente umzurechnen und zu bestimmen, wie viele Planeten es bräuchte, wenn alle Menschen auf der Erde so lebten wie man selbst.

Das habe ich neulich einmal gemacht und festgestellt, dass für meine Art zu Leben jeweils 2,7 Hektar pro Person bzw. insgesamt eineinhalb Erden (in Zahlen 1,5!!) notwendig wären. Und das, obwohl ich z.B. in einem Niedrigenergiehaus wohne, kein Auto besitze, sehr wenig Strom verbrauche und einen Ökostromvertrag abgeschlossen habe, kaum Müll verursache und Vegetarierin bin. Zwar komme ich mit diesem Wert deutlich unter den deutschen Durchschnitt, der liegt laut BUND bei 2,6 Erden. Jedoch ist das noch lange kein Grund zu jubeln, denn 1,5 sind halt immer noch mindestens 0,5 zu viel.

Daher lässt mich die Frage nicht los, was ich tun kann, diesen Wert noch weiter zu senken. Ein Bereich, zu dem mir ein paar Verbesserungsmöglichkeiten einfallen, ist der der Ernährung. Zwar esse ich bereits kein Fleisch und keinen Fisch, die eine besonders schlechte CO2-Bilanz aufweisen, aber ihnen folgen auf der Skala unmittelbar auch alle anderen tierischen Produkte, vor allem Käse.

DSCN1004Nun habe ich nicht vor, in nächster Zeit zur Veganerin zu werden, denn dafür esse ich Milchprodukte einfach viel zu gerne. Aber ich könnte versuchen, sie immerhin nicht mehr täglich zu essen, wie ich es leider in dem Fußabdruck-Test angeben musste. Statt zu Käse könnte ich z.B. öfter zu vegetarischen Brotaufstrichen greifen und die Milch im Müsli immer mal wieder durch Pflanzenmilch ersetzen. Wenn ich es schaffe, tierische Produkte nicht mehr jeden, sondern im Schnitt nur noch jeden zweiten Tag zu essen, kann ich in dem Test mein Ergebnis immerhin um 0,1 „Erden“ senken. Natürlich sind diese Angaben im Fragebogen nur sehr ungenaue Werte, denn wenn ich mich alle zwei Tage mit Milch, Käse und Sahnetorte nur so vollstopfe, erreiche ich dadurch selbstverständlich gar nichts. Aber für den Alltag kann dieser Richtwert vielleicht schon helfen: Nur noch halb so viele tierische Produkte wie bisher = 0,1 Erden weniger verbraucht.

Was aber auf keinen Fall dabei passieren sollte, ist, dass dadurch meine wöchentliche Müllmenge wieder ansteigt oder ich Lebensmittel von weißgottwo kaufen muss. Daher habe ich mich in den letzten Tagen einmal am Selbermachen versucht, und zwar von Hafermilch. Die habe ich früher ab und zu im Tetrapack (Sie hat Jehova gesagt!) gekauft und fand sie ganz lecker, daher erschien mir dieser Versuch vielversprechend.

Angeregt durch Shias Rezepte für vegane Pflanzendrinks habe ich also einmal selbst die Haferkuh gemolken und war überrascht, wie einfach und schnell das geht:

Man nehme
  • 700 ml kaltes Wasser
    (weil so viel halt in die leeren Tomatensoßeflaschen geht)
  • 70g Haferflocken (bio und aus der Papiertüte, wenn nicht sogar lose)
  • ca. 2 TL Zucker oder Honig oder Agavensirup oder getrocknete Datteln
    (weil’s ungesüßt einfach scheußlich schmeckt)
  • 1 Prise Salz

DSCN1007gebe alles in einen Standmixer (mit dem Pürierstab wird’s leider nicht fein genug) und mixe alles ca. 2 min. gründlich durch. Anschließend gieße man die Hafermasse durch ein feines Haarsieb, einen Nussmilchbeutel oder ein Käsetuch und verwende den übriggebliebenden Hafer-Trester z.B. im morgendlichen Müsli. Dann die Milch in eine saubere Flasche füllen und im Kühlschrank aufbewahren, um sie in wenigen Tagen aufgebraucht zu haben. 🙂

Wichtig ist dabei, dass das Wasser wirklich kalt ist, weil sonst die Haferflocken beim mixen schleimig werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, stellt es schon am Vorabend in den Kühlschrank oder gibt ein paar Eiswürfel mit dazu.
Da – erfreulicherweise – keine Stabilisatoren oder sonstige Zusätze enthalten sind, setzt sich bei der Milch nach kurzer Zeit das Wasser oben ab. Macht aber nix, denn wenn die Flasche gut verschlossen ist, kann man sie ja einfach schütteln und alles ist wieder gut.

Die Hafermilch ist echt lecker und ich kann mir gut vorstellen, auf diese Weise meinen Verbrauch an tierischen Lebensmitteln zu senken, zumal die selbstgemachte Variante auch noch viel günstiger ist als gekaufte.

Doch ein Wehmutstropfen bleibt, denn der BUND schreibt unter dem Testergebnis des ökologischen Fußabdrucks:

„Für deinen Fußabdruck bist du nicht alleine verantwortlich. Deinem Fußabdruck wird auch ein kollektiver Fußabdruck zugeordnet, welcher den Ressourcenverbrauch für den Bau nationaler Infrastruktur zusammenfasst (z.B. Straßen, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude). Durch den kollektiven Fußabdruck ist es nicht möglich, in Deutschland einen Ressourcenverbrauch zu haben, der unter den fairen 1,9 Hektar liegt.“

Na großartig! Irgendjemand ne Idee, wie man das ändern kann?

Viele Grüße,
eure Pip


Diesen Blogeintrag sende ich zur EiNaB-Blogparade #10!

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8 Gedanken zu „Milch von der Haferkuh – für’s Klima

  1. Hallo Pip,
    hier wirbeln einige Gedanken auf einmal. Ich fang vorne an:
    1. völlig verspätet zu deinem Weihnachtspost:
    Dass wir den Heiland feiern, ist nicht ganz korrekt. Die christliche Besatzung hierzulande hat den Heiden zuliebe die Geburt Christi auf einen hohen Feiertag der Heiden glegt, es ging eigentlich um einen Gott mit Hörnern. Würde man sich an den vermuteten Lebenslauf von Jesus halten, ist er eher so gegen März geboren. Daher: Dieses Fest wurde schon mindestens einmal benutzt, um die Lebensumstände der Menschen zu adaptieren. Daher finde ich es in Ordnung, der Religion weniger Macht einzuräumen und stattdessen die Liebe und die Familie zu feiern. Ist doch auch schöner als jemanden zu feiern, den ich gar nicht kenne. Der Konsumrausch, der aktuell (noch) dazu gehört, ist natürlich weniger schön. Allerdings: Ich kenne eher die Regel, dass sich Erwachsene nichts bis wenig schenken. Von daher: Besserung ist in Sicht.
    2. der kolektiv Fußabdruck:
    Angenommen, aber jetzt sofort würde sich jeder Deutsche um mindestens ein Fünftel ökologischer verhalten (mehr Fahrad fahren statt Auto, weniger krank werden wegen gesunder Lebensweise etc.) – das müsste den Abdruck doch verbessern! Ich hoffe also: Jedes kleine Tröpfchen besserung zählt!
    3. Hafermilch:
    Hafer vertrage ich nicht. Daher mache ich mir lieber Mandelmilch. Ist wahrscheinlich nicht so gut, weil Mandeln importiert werden. Aber immerhin sind sie bio! *g*
    Gruß, zwerg

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    1. Hallo Zwerg,
      wie du richtig schreibst, ist der TERMIN des Weihnachtsfests vorchristlich, das Weihnachtsfest selbst ist aber sehr wohl das Fest der Geburt Christi (Believe me, I studied theology!). Wer also am 24.12. irgendein Liebesfest/ Lichterfest/ Geschenkefest/ sonstwas feiert, darf das gerne tun, aber der feiert dann eben nicht Weihnachten (übrigens: „Weihnachten“ = die geweihte Nacht. Wer die wohl geweiht hat? Doch nicht etwa die Kirche?!? Gott bewahre!).
      Ja, das ist ein Thema, über das ich mich sehr gerne und sehr eifrig streite…

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  2. Hallo Pip,
    das Rezept ist ja dermaßen einfach (wenn man so einen Mixer hat), dass ich das unbedingt gleich diese Woche ausprobieren muss – denn ich hab eh zu wenig Milch in meine Regiokiste packen lassen und werde vor nächster Woche nicht einkaufen 😉
    Ich hab schon x Mal versucht, meinen Milchkonsum zu reduzieren mit Hafer-, Mandel-, Soya- und Reismilch. Aber leider ist es (v.a. im Kaffee!) doch nicht das selbe. Und pur trink ich meist eh keine Milch. Aber Hafermilch zählt eindeutig zu den besserschmeckenden Gebräuen und da beim Selbermachen immerhin kein weiterer Müll anfällt, werd ich das wohl ein weiteres Mal versuchen.
    LG, Marlene

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    1. Im Kaffe mag ich die Hafermilch eigentlich ganz gerne, dafür nicht im Müsli. Haferflocken plus Hafermilch sind mir dann doch ein bisserl zu eintönig und man schmeckt das Wasser recht raus. 😛
      Ich habe es in letzter Zeit so gehalten, dass ich jede Woche nur noch einen Liter Kuhmilch kaufe (für mich alleine reicht das fast aus) und für alles, wofür mir dieser nicht ausreicht, Hafermilch verwende. Meistens ist das dann eh am Sonntag oder am Samstag nach Ladenschluss, wenn ich sowieso keine Mlch kaufen könnte. So schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. 🙂

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  3. Hmmm … Ich beginne auch gerade für mich das ökologische DIY zu finden, und bin deswegen durch Zufall auf diesen Blog gestossen … Sehr interessant mit der Hafermilch. Jemand eine Idee, ob man diese auch dann als Ersatz zur „normalen“ Kuhmilch beim Backen verwenden kann ? Das würde sicherlich auch schon vom Geschmack her eine ganze Menge Geschmacksfasseten ergeben …

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