Die Geister, die wir riefen

Meine Auseinandersetzung mit der Plastikthematik oder besser -problematik begann letztes Frühjahr, als ich mir zwei neue Trinkflaschen kaufte: von einem namhaften Hersteller für Frischhaltedosen (ihr wisst schon: fängt mit „T“ an und hört mit „ware“ auf) und gar nicht mal so billig. Das Problem dabei war, dass selbst normales Leitungswasser – ohne Kohlen- oder Fruchtsäure, Zucker noch sonst irgendwelche Zusätze – nach kurzer Zeit anfing, deutlich nach Plastik zu schmecken. Igitt!
Nun muss ich dazu sagen, dass ich alle Berichte, Wasser aus Plastikflaschen würde anders schmecken als welches aus Glasflaschen, bis dato eher für Humbug und Einbildung hielt. Doch spätestens in der Junihitze wurde der Geschmack so penetrant, dass man ihn nicht mehr ignorieren konnte. Und zwar nach gerade einmal einer Stunde! Was musste da alles in dem Wasser gelöst sein, dass man es schmeckte!
Ich fand es scheußlich und begann, zu Gesundheitsgefahren des Plastiks zu recherchieren, stieß bald auf dem Film „Plastic Planet“ und beschloss daraufhin, Kunststoff künftig so weit wie möglich zu vermeiden.

Je mehr ich über die gesundheitlichen und ökologischen Probleme der verschiedenen Kunststoffe und vor allem deren Inhaltsstoffe lerne und je mehr mir bewusst wird, wie allumfassend wir heutzutage von Plastik umgeben sind, desto mehr drängt sich mir die Erkenntnis auf, dass die Sache uns längst über den Kopf gewachsen ist.

Plastik ist heute überall: Im Wasser, im Boden, im Essen, in unseren Kindern und in unserem eigenen Blut!

Es ist längst nicht mehr damit getan, brav unseren Müll zu trennen und alle zwei Wochen einen prall gefüllten gelben Sack vor die Haustür zu stellen. Es reicht längst nicht mehr, einmal im Jahr an einer Müllsammelaktion teilzunehmen und medienwirksam einen Lastwagen voll achtlos weggeworfenen Schokoriegelverpackungen und Fahrradreifen aus dem Wald zu karren. Es reicht nicht mehr, auf „die anderen“ zu schimpfen, die ihren Müll nicht wieder mit nach Hause nehmen.

This plasticbag, my friend, is blowin' in the wind, this plasticbag is blowin' in the wind.
This plastic bag, my friend, is blowin‘ in the wind,
this plastic bag is blowin‘ in the wind.

Ein sehr eindrückliches Erlebnis hatte ich vor etwa zweieinhalb Jahren, als ich in Spanien den Jakobsweg beging: Irgendwo im Nirgendwo, ich glaube, es war kurz vor Burgos, hatte jemand am Waldrand einen Rastplatz für die Pilger installiert, mit Bänken und Tischen und selbstverständlich einem Mülleimer nebendran. Als wir frühmorgens dort vorbeikamen, waren wir schockiert über den vielen Müll, der nicht im Eimer, sondern ringsum über die Bänke, den Boden und die Büsche verteilt war und leise im Wind flatterte. Plastikfetzen waberten neben Nebelfetzen im sanften Licht der aufgehenden Morgensonne.
Natürlich waren wir zunächst empört über die Ferkel, die ihren Kram einfach so liegen ließen und damit alle anderen, achtsamen Pilger mit in Verruf brachten, die Umwelt zu verschmutzen. Doch irgendjemand gab zu bedenken: „Vielleicht waren es gar nicht die Pilger. Vielleicht war es ein Fuchs, der heute Nacht im Mülleimer nach Essbarem gesucht hat und dabei den Inhalt ringsum verstreut hat!“

Es reicht längst nicht mehr, Eimer aufzustellen, damit die Leute ihren Abfall entsorgen können! Der Müll findet immer einen Weg in die Natur, ob wir wollen oder nicht!

Nun gibt es sicher Anwendungsgebiete, in denen Kunststoffe ein Segen sind (z.B. in bestimmten Bereichen der Medizin). Doch die Ausmaße, die unser ganz alltäglicher Plastikkonsum heute angenommen hat, sind schlicht und ergreifend irrsinnig und könnten ohne allzu großen Aufwand um locker 75% (gemessen am gesellschaftlichen Durchschnitt) eingedämmt werden, ohne dass wir sie auch nur vermissen müssten. Man braucht dafür weder besonderes Spezialwissen noch ein überdurchschnittlich hohes Einkommen. Man muss es nur tun!

Wir können nur hoffen, dass es dafür noch nicht zu spät ist!


Diesen Beitrag verlinke ich bei der EiNaB-Blogparade #10.

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7 Gedanken zu „Die Geister, die wir riefen

  1. Hallo Pip,

    Wäre schön, wenn alle so wären wie du… Ich möchte auch weniger Plastik verwenden, es gelingt mir aber leider nicht immer. Ich mach’s aber so gut ich kann. Vor über 30 Jahren gab es schon die Kampagne „Jute statt Plastik“, die ich damals schon befürwortet habe. Gut, ich habe keinen Jutebeutel, aber ich habe immer mehrere Baumwollbeutel in meinem Rucksack mit dabei. Und Plastikflaschen mag ich eh nicht.
    In meinem Newsfeed ist gerade ein Artikel reingepoppt: https://blog.wwf.de/mikroplastik-das-meer-der-muell-die-zahnpasta-und-dein-fleecepulli/ – denke der passt ganz gut zu Deinem.
    Für Trinkflaschen gibt es übrigens auch eine schöne Alternative: http://www.emil-die-flasche.de/index_intro.html

    LG und mach weiter so!
    Mona

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    1. Hallo Mona,
      naja, damit mal keine Missverständnisse auftreten: Mir gelingt das Plastikvermeiden auch bei weitem (noch) nicht so, wie ich es gerne hätte. Es wächst vor allem das Unbehagen immer mehr, weil mir das Plastik im Alltag immer bewusster wird.

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo!

    Das mit dem Müll neben dem Müllkübel ist ein sehr gutes Beispiel, dass einfach viel zu wenig weit gedacht wird. Auch der Wind (Du schreibst das so schön unter dem Bild, musste herzlich lachen) kann das leichte Plastik mitnehmen und schon wieder ist es in der Natur verstreut und wandert vielleicht auch letztendlich ins Meer. Wirklich eine ganz furchtbare Problematik!

    Bezüglich Wasser in Plastikflaschen, ich finde auch, dass man das total schmeckt, wie gut, dass Du das nun geändert hast!

    lg
    Maria

    PS: EiNaB?

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  3. Gerade bei Wasser finde ich den Unterschied zwischen Plaste und Glas extrem. Bei Limos kann man den Geschmack ja ganz „toll“ verdecken, aber nicht beim Wasser. Ich trinke am liebsten Wasser aus Glasflaschen, versuche Getränke aus Plastikverpackungen so gut es geht zu vermeiden. Für stilles Wasser mit Geschmack setze ich es selbst an in bpa-freien Karaffen (die aus Glas sprengen einfach meinen Preisrahmen). Der Kunststoffwahn kennt leider kaum noch Grenzen. Natürliche „Verpackung“ der Lebensmittel wird entfernt, um sie in Plaste zu wickeln. Absolut krank. Z.B. bei gekochten Eiern. Oder Avocados. Auch schön, „Bio“ Gemüse in Plaste. Wo es geht, vermeiden wir es.

    Natürlich wühlen auch Tiere durch den Müll und suchen nach Essensresten. Daran ändern aber leider auch keine Mülleimer mit Deckeln etwas. Schon mal gesehen wie z.B. ein Rabe den Deckel öffnet, damit ein anderer was raus picken kann? 😀 Da sind Tiere sehr erfinderisch. Von vorneherein weniger Müll produzieren und den angefallenen schnell und richtig entsorgen – das ist der Weg.

    Liebe Grüße

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