Die „5 R“ des müllfreien Lebens

Vor einiger Zeit hatte ich euch gefragt, ob euch die fünf Regeln zur Müllvermeidung, die Bea Johnson in ihrem Buch „Zero Waste Home“ aufgestellt hat, vertraut sind oder ob ich sie einmal vorstellen soll. Der Grundtenor dieser Umfrage war: Einige von euch haben zwar schonmal was davon gehört, manche auch nicht, aber die meisten würden es  begrüßen, wenn ich noch einmal genauer darauf eingehe. Genau das möchte ich heute tun:

Zunächst vorneweg: Bea Johnson ist Mutter einer vierköpfigen Familie (plus Hund) in Kalifornien. Sie schafft es, mit Hilfe der „5 R“-Regeln ihren Haushaltsmüll so stark zu reduzieren, dass insgesamt jedes Jahr nur ein Liter Restmüll anfällt, für den es keinerlei Weiterverwendungs- oder -verwertungsmöglichkeiten gibt. Als ich zum ersten Mal in ihrem erwähnten Buch über ihren Lebensstil las, war ich erst skeptisch, ob sich diese Prinzipien auch auf deutsche Lebens- und Einkaufsverhältnisse übertragen ließen. Nach etwa einem dreiviertel Jahr eigener Erfahrung kann ich sagen: Ja, es geht! Selbst wenn man nicht sein ganzes Leben der Müllvermeidung widmet wie die Johnsons, kann man mit etwa einer Hand voll Restmüll im Monat auskommen: auch hier in Deutschland und auch ohne Unverpackt-Laden in der Nähe (auch wenn letzterer dieses Ziel natürlich deutlich leichter erreichen lässt). Man muss allerdings eine gewisse Zeit als Umstellungs- und Eingewöhnungsphase einrechnen, wenn man sich nicht gleich zu Anfang hoffnungslos überfordern will 😉

Doch nun zum eigentlichen Thema dieses Artikels: Den fünf Regeln, mithilfe derer man seinen Müll deutlich reduzieren kann:

1. 5 Refuse (Verweigern)

Zero Waste beginnt außerhalb des eigenen Haushalts! Denn alles, was in euer Zuhause hinein gelangt, wird potenziell über kurz oder lang zu Müll! „Nein danke“ zu sagen, ist daher die erste und wahrscheinlich wichtigste Fähigkeit, die man zur Müllvermeidung erlernen sollte. Und „nein danke“ kann man ohne Probleme zu sehr vielen Dingen sagen: zu kostenlosen Werbeprospekten (Aufkleber „Bitte keine Werbung!“ am Briefkasten), zu Werbegeschenken (wer hätte nicht schon genug billige Kugelschreiber zu Hause?), zu Strohhalmen im Cocktail (erwachsene Menschen können auch trinken, ohne zu nuckeln!), nett gemeinten Verlegenheitsmitbringseln lieber Gäste (bereits bei der Einladung darauf hinweisen), kostenlosen Plastiktüten an der Supermarktkasse usw. usf. So viele Dinge landen in unserem Haushalt, die wir selbst gar nicht freiwillig dort hingebracht haben und die nach kürzester Zeit oft schon wieder im Müll landen!

Manchmal ist es dazu notwendig, ein Stück voraus zu denken und den Müll zu erahnen, bevor er anfällt. Beispielsweise kann ich, wenn ich ein Restaurant betrete, unauffällig zu den Nachbartischen hinüber lugen, ob dort Strohhalme in der Limo stecken, und den Kellner bereits bei meiner Bestellung bitten, diese bei mir wegzulassen, anstatt mich zu ärgern, wenn die Getränke bereits serviert werden.

2. 5 Reduce (Verringern)

Mal abgesehen von den Dingen, die wir unfreiwillig (geschenkt) erhalten, gibt es zudem noch jede Menge Zeug, was wir zwar irgendwann einmal selbst gekauft oder uns als Geschenk gewünscht haben, das wir aber eigentlich gar nicht brauchen. Zu denken ist da z.B. an das dreißigste Paar Schuhe, das zwölfte Sommerkleid, den trillionsten Nagellack oder Lippenstift oder (auch für die Jungs) noch ein Sportgerät, das nach Kurzem in der Ecke steht und einstaubt, noch ein Videospiel, an dem man bald seine Lust verliert… und wenn man dann noch an die ganzen Spielsachen denkt, die in unseren Kinderzimmern verstauben, nachdem sie ein paar Tage lang bespielt wurden, als sie noch neu waren… oh je!

Auch hier gilt: Je mehr ich besitze, desto mehr muss gepflegt, gereinigt und instand gehalten werden, desto mehr wird kaputt gehen, desto mehr muss ich wegschmeißen. Am Anfang einer „Zero Waste Karriere“ steht also idealerweise eine große Entrümpelungsaktion, deren Ergebnis auch später aufrecht erhalten werden sollte: nämlich stets zu hinterfragen, was man tatsächlich braucht, und alles andere am besten schon vermeiden, bevor es in den Haushalt gelangt (denn „refuse“ kommt ja vor „reuse“!). Falls es dann doch mal eine Neuanschaffung sein muss: Lieber in möglicherweise etwas teurere, dafür aber robuste und langlebige Produkte investieren, anstatt nach kurzer Zeit schon wieder ein neues Billigteil kaufen zu müssen, weil das alte schon wieder kaputt ist!

Doch Achtung: Absolut kontraproduktiv wäre es natürlich, alles, was man aussortiert, einfach in den Müll zu schmeißen! Zero waste wäre das selbstverständlich nicht! Stattdessen sollte stets überlegt werden, ob man die Dinge nicht auch anders loswerden könnte, z.B. durch

  • Verschenken an jemanden, der sie gut gebrauchen kann
  • Verkaufen auf Flohmärkten, Onlineportalen wie ebay, rebuy u.ä.
  • Tauschen, z.B. mittels Kleidertauschpartys, öffentlichen Bücherschränken, Umsonstläden…
  • Spenden, z.B. an die Flüchtlingshilfen, Sozialkaufhäuser oder Second-Hand-Läden…

Möglichkeiten gibt es viele! Nur, was wirklich irreparabel kaputt ist, sollte im Müll landen! Und selbst dann kann man vieles noch recyceln oder kompostieren (siehe unten), anstatt es der Verbrennung zuzuführen!

3. 5 Reuse (Wiederverwenden)

Das dritte „R“ ist, glaube ich, das, an dem man am schnellsten Fortschritte in der eigenen Müllbilanz sieht: Wenn man nämlich konsequent alle Wegwerfprodukte gegen wiederverwendbare Alternativen austauscht! Ich selbst habe z.B. feststellen müssen, dass ein großer Teil meines alltäglichen Restmülls aus rotzigen Papiertaschentüchern besteht! Als ich diese durch waschbare Stofftaschentücher ersetzte, viel also auf einen Schlag eine ganze Menge Müll schlicht und ergreifend gar nicht mehr an! (Nebenbei bemerkt sind Stofftaschentücher auch noch sanfter zur Nase, aber das nur am Rande 😉 )

Wer aufmerksam durch den Alltag marschiert, entdeckt jede Menge wiederverwendbare Produkte, die das „herkömmliche“, d.h. längst zur Gewohnheit gewordene, Wegwerfzeug ersetzen können. Neben Stofftaschentüchern sind das beispielsweise auch waschbare Abschminkpads, wiederauffüllbare Trinkflaschen und Kaffeebecher, Bienenwachstücher statt Frischhalte- und Aluminiumfolie, Stoffbeutel statt diesen flimsigen Plastiktüten für Gemüse und Obst, den guten alten Einkaufskorb, wiederauffüllbare Tintenpatronen (sogenannte Konverter), Pfandflaschen statt Tetrapaks…

Unter „Reuse“ fällt zudem, (Plastik-) Verpackungen zu vermeiden und stattdessen zum Einkaufen die eigenen, wiederverwendbaren Behälter mitzubringen (Wurst- und Käsedosen, Stoffbeutel, Schraubgläser…), außerdem möglichst viel gebraucht zu kaufen (Kleidung, Elektrogeräte, Möbel usw.) und natürlich zu reparieren, was das Zeug hält! Shopping is voting, meine Lieben! Mit jedem Cent, den ihr für nicht-nachhaltige Produkte ausgebt, kurbelt ihr die Nachfrage und damit auch die Produktion eben dieser noch mehr an! Verwendet also lieber das, was es sowieso schon gibt und wofür keine weiteren Ressourcen und Energien verbraucht werden müssen!

4. 5 Recycle

Gibt es für diesen Begriff eine adäquate deutsche Übersetzung? Egal, ihr wisst ja sicher, was gemeint ist 😉

Hier kommt um ersten Mal der Begriff der Mülltrennung ins Spiel. „Zum ersten Mal“ ist wichtig, denn natürlich ist die Tatsache, dass ein Produkt oder Material potentiell recyclebar ist, noch lange kein Freifahrschein dafür, es ungehemmt zu verbrauchen! Recycelt werden sollte wirklich nur das, was nicht zuvor verweigert, verringert oder wiederverwendet werden konnte!

Also Mülltrennung. Informiert euch bei eurem örtlichen Müllentsorgungsunternehmen, welche Abfallstoffe recycelt werden können und installiert für jeden einen eigenen Sammelbehälter in eurem Haushalt! Bei mir sind das: Papiermüll, Altglas, Textilien, Kleinelektrogeräte und Verpackungen (aka „Gelbe Tonne“). Nur Papier und Gelbe Tonne werden allerdings regelmäßig bei uns zuhause von der Müllabfuhr abgeholt. Für den Rest gibt es ein paar Straßen weiter entsprechende Sammelcontainer. Außerdem gibt es immer mehr Initiativen, die auch weitere Materialien sammeln und zu neuen Produkten weiterverarbeiten, z.B. alte Schuhsohlen zu Bodenbelägen oder kaputte Kleidung zu Dämmmaterial für den Häuserbau. Auch hier gilt: Augen offen halten! Man findet mehr, als man zunächst meint! Häufig unterscheiden sich die Angebote aber regional stark, daher möchte ich hier keine konkreten Beispiele nennen, da diese wahrscheinlich nur wenigen von euch helfen werden.

5. 5 Rot (kompostieren)

Wer die ersten vier Regeln bereits befolgt, dürfte nun schon nur noch eine sehr kleine Müllmenge übrig haben. Jetzt gilt es zu überlegen, was davon kompostierbar ist.

Bei Essensresten und Gartenabfällen liegt dies auf der Hand. Doch gibt es auch für einige andere Dinge, die normalerweise im Restmüll landen müssten, kompostierbare Alternativen: beispielsweise Zahnbüsten aus Bambus (Achtung: Nicht bei allen sind auch die Borsten biologisch abbaubar!), Zahnseide aus echter Seide und Bienenwachs, Nähgarn auch Biobaumwolle, in kompostierbarem Pergamentpapier verpackte Butter… Prinzipiell wäre es auch möglich, die rotzigen Taschentücher zu kompostieren, allerdings nur in geringen Mengen. Daher ist es wichtig, die „5 R“ in der richtigen Reihenfolge anzuwenden, da man dann die Taschentücher eh durch wiederverwendbare Stofftücher ersetzt hat und diese gar nicht mehr wegwerfen muss.

Glücklich ist, wer (wie ich) eine Biomülltonne hat, die von der städtischen Müllabfuhr regelmäßig gelehrt wird. Dort dürfen in der Regel (bitte immer noch mal nachprüfen, wie das bei euch vor Ort gehandhabt wird!) nämlich auch Fleisch- und Milchproduktreste rein, gekochte Nahrungsmittel und Holzreste. Der Nachteil der Biotonne ist, dass einem die Komposterde nicht mehr so einfach zugänglich ist, die man ja gut für den Garten oder die Balkonblumen wiederverwenden (reuse!) könnte. Es lohnt sich, auch hierfür einmal nachzufragen, was mit der Erde passiert!

Alternativ dazu gibt es natürlich die Möglichkeit, einen Komposthaufen im Garten anzulegen oder einen Wurmkomposter oder Bokashi-Komposter auf dem Balkon bzw. sogar in der eigenen Wohnung aufzustellen. Alle diese Kompostierungssysteme haben ihre eigenen Vor- und Nachteile, sodass man sich gut informieren sollte, welches zu einem persönlich am besten passt. Gut möglich, dass ich demnächst einmal einen eigenen Blogeintrag zu diesem Thema schreibe 😉

So, das war’s! Wie gesagt, es geht nicht alles von heute auf morgen! Teilweise muss man am Anfang erst einmal alternative Produkte und Einkaufsmöglichkeiten in der eigenen Umgebung finden, teilweise dauert es eine halbe Ewigkeit bis man die alten, müllträchtigen Vorräte aufgebraucht hat, teilweise funktioniert nicht jede Alternative für alle Haushalte gleich gut. Lasst euch nicht entmutigen, wenn bei euch erst mal noch deutlich mehr Müll anfällt, als ihr gehofft habt! Zu 100% lässt er sich sowieso nicht vermeiden, aber jeder kleine Schritt, den ihr geht, hilft!

In diesem Sinne: fröhliches Müllvermeiden und viele Grüße,
eure Pip


Diesen Blogeintrag sende ich zur EiNaB-Blogparade!

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