Müllvermeidung unter Zeitdruck

Es ist ja wirklich überfällig, dass ich hier mal wieder ein Lebenszeichen von mir gebe — in den letzten Monaten habe ich meinen Blog echt sträflich vernachlässigt. Und nicht nur das: auch das „Müllfasten“ lief längst nicht so gut wie früher, wo ich ja wirklich schonmal sehr konsequent Müll und v.a. Plastik vermieden habe.

Beides hat ein und denselben Grund: Ich habe in den vergangenen Monaten die Prüfungen zum zweiten Staatsexamen abgelegt, die dem sowieso schon stressigen Referendariat noch einmal die Krone aufgesetzt haben. In dieser Zeit kam so ziemlich alles zu kurz: Familie, Freunde, Hobbys, Haushalt… und eben auch das Müllfasten. Das macht mich nun wirklich nachdenklich: Ist Zero Waste zu leben nur etwas für Leute mit Zeit? Ist Umweltschutz nur etwas für Menschen, die ihn sich leisten können?

In meinem Fall war es in erster Linie ein Zeitproblem, das dazu geführt hat, dass ich wieder mehr Müll verursacht habe. Der nächste Supermarkt ist schließlich nicht weit, der nächste Unverpackt-Laden liegt hingegen nicht gerade auf meinem täglichen Arbeitsweg. Der Discounter um die Ecke hat an sechs Tagen in der Woche jeweils 13 Stunden lang geöffnet, der Bauernmarkt hingegen nur mittwochs am Vormittag. Und Online-Shopping kann man sowieso rund um die Uhr betreiben, egal wo man sich gerade aufhält, auch wenn man dafür einiges an Verpackungsmaterial in Kauf nehmen muss…

Mehr und mehr merke ich, wie anspruchsvoll es für jemanden, der Vollzeit berufstätig ist, sein kann, umweltbewusst zu leben. Erst recht, wenn man sich in einer Situation befindet, in der man aus seinen bisherigen Routinen herausgerissen wird, wie etwa bei einem Umzug, so wie es bei mir im letzten Jahr zweimal der Fall war.

Was also tun?

Einerseits war ich in letzter Zeit mit meinem eigenen Konsumverhalten unzufrieden, andererseits hat mir schlicht und ergreifend die nötige Zeit gefehlt, mich kritisch und konstruktiv damit auseinanderzusetzen, um tatsächlich etwas ändern zu können. Jetzt, wo der Prüfungswahnsinn vorbei ist, habe ich endlich eine ruhige Minute gefunden, um mir meinen Müll wieder einmal genauer anzusehen und zu analysieren, wo die Probleme genau liegen. Denn dies war bereits zu Beginn meiner Zero-Waste-Laufbahn besonders hilfreich: einfach einmal nachsehen, worin mein Müll eigentlich besteht, hat mir bereits damals die Augen geöffnet.

Also los!

Zunächst eine Bemerkung vorneweg: Ich lebe in einem Singlehaushalt und produziere vermutlich nach wie vor vergleichsweise wenig Müll. Nichtsdestotrotz war es schonmal deutlich weniger.

Hier seht ihr z.B. meinen Recyclingmüll (aka „gelber Sack“) der letzten 3 Monate. Ein Großteil davon besteht aus Plastikfolien, also Verpackungen, die entweder von Lebensmitteln, Arzneimitteln, Kleidung oder Einrichtungsgegenständen stammen. Die Anschaffung letzterer war nach meinem Umzug zum Teil nötig, zum Teil waren es aber auch relativ spontane „will haben“-Käufe, genauso wie bei den Klamotten. Medikamente (überwiegend für die unvermeidliche Herbsterkältung) habe ich bisher immer vom Müllvermeiden ausgeschlossen, weil mir meine Gesundheit — egoistisch wie ich bin — dann doch noch mal ein bisschen wichtiger ist als die Umwelt 😏 Die in Plastik verpackten Lebensmittel waren einerseits solche, die nur recht aufwändig unverpackt zu kaufen oder selber herzustellen sind (Müsliriegel), andererseits aber auch solche, die ich in die Kategorie „Fastfood“ einordnen würde, weil sie zwar nicht unverzichtbar sind, aber in stressigen Zeiten helfen, das Essen nicht aufwendig selbst zubereiten zu müssen (Müsliriegel…). Auch die anderen Recyclingmaterialien, etwa das Styropor, lassen sich in ähnliche Kategorien einordnen.Dazu kommt noch ein riesiger Haufen Kartonagen, die in erster Linie von Online-Einkäufen stammen.

Ein Plan muss her!

Wie kann ich in Zukunft also unnötigen Müll vermeiden — gerade dann, wenn es mal schwierig wird? Gibt es Möglichkeiten, „Stressmüll“ bereits vorbeugend zu vermeiden? Wenn ich meine „Sammlung“ der letzten Monate so überblicke, fallen mir einige Punkte auf, die viele der Abfälle vermeiden könnten:

  • Ersatzroutinen entwickeln: Einige Dinge, die ich in letzter Zeit angeschafft habe, waren in erster Linie Spontankäufe. Diese treten auffälliger Weise immer dann besonders häufig auf, wenn es mir seelisch nicht gut geht, also z.B. in Zeiten von Prüfungsstress oder während des „Novemberblues“. Ziel muss es also sein, Alternativen zu finden, mit denen ich mir bei solchen emotionalen Durchhängern etwas Gutes tun kann, ohne dabei „Zeug“ zu kaufen, das ich eigentlich gar nicht haben will und das auch noch Verpackungsmüll verursacht. Solche Alternativen zu entdecken und zu entwickeln, wird in der nächsten Zeit daher ziemlich weit oben auf meiner persönlichen To-Do-Liste stehen. Ich möchte auf jeden Fall ein paar neue Sportarten ausprobieren, um einen Ausgleich zur Arbeit zu schaffen, regelmäßig eine entspannende Teepause einlegen, öfter mit meinen Eltern telefonieren… Hoffentlich schaffe ich es, wenn ich das nächste Mal dieses typische „haben wollen“-Gefühl verspüre, stattdessen lieber eine Runde spazieren zu gehen…
  • Abwarten und Tee trinken: Ein weit verbreiteter Tipp gegen unüberlegte Spontankäufe ist ja, sich das jeweilige Produkt erst einmal auf eine Wunschliste zu schreiben und dann eine Weile zu warten — mindestens bis zum nächsten Tag, besser aber eine Woche oder sogar einen Monat. Häufig wundert man sich dann, was für einen Schmarrn man da notiert hat… Auf meinem Handy, das ich in der Regel ja immer dabei habe, ist eine Notiz-App, mit der man die Wunschliste dann auch ganz einfach mit sich führen und schnell etwas aufschreiben kann, das sollte also kein Problem sein.
  • Einkaufspläne machen: Wer z.B. einen festen Tag in der Woche hat, an dem er seinen Lebensmitteleinkauf erledigt, kann recht gut überblicken, was und wie viel er für diese 7 Tage an Verpflegung benötigt. Dadurch entfallen spontane Besorgungen vergessener Zutaten und Spontanität ist ja bekanntlich für den Zero-Waster wie der Elefant für den Porzelanladen.
  • Second Hand shoppen: Hier entfällt häufig die übermäßige Verpackung, die bei einem neuen Produkt heutzutage längst selbstverständlich geworden ist. Allerdings ist die Auswahl in der Regel nicht besonders groß oder man muss im Internet bestellen, was wiederum Verpackungsmaterial mit sich bringt. Interessant ist dies also in erster Linie bei einmaligen Anschaffungen, bei denen man sich Zeit lassen kann, bis das passende Stück endlich im Gebrauchtwarenladen oder in der örtlichen Verschenkgruppe auf Facebook angeboten wird.
  • Vor Ort kaufen: Versandkartons lassen sich ganz einfach vermeiden, wenn man seine Einkäufe eben nicht versenden lässt, sondern sie vor Ort im Laden kauft. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, keines meiner Weihnachtsgeschenke im Internet zu bestellen. Mal sehen, ob da klappt!
  • Selber kochen: Okay, meistens koche ich ja selber, aber gerade das morgendliche Frühstück ist bei mir in letzter Zeit entweder ganz ausgefallen oder ich habe mir nur schnell einen Müsliriegel eingesteckt oder unterwegs beim Bäcker was mitgenommen. Nun schlafe ich auch in weniger stressigen Zeiten gerne so lange wie möglich, sodass zum Frühstück machen also generell kaum Zeit bleibt. Aber vieles lässt sich ja z.B. bereits am Vorabend vorbereiten, sodass ich es evtl. sogar nur noch einpacken und dann in der S-Bahn essen muss, wo ich sowieso 25min. lang nur rumhocke. Dadurch ließe sich einiges an Verpackung wie etwa die Bäckertüten einsparen.

Okay, das waren jetzt einige Vorsätze. Ich werde mein Bestes geben, sie umzusetzen. In 3 Monaten berichte ich dann, wie es gelaufen ist! 😉

Habt ihr schonmal nachgeforscht, wo eure Schwachstellen bei der Müllvermeidung liegen? Unter welchen Umständen werdet ihr schwach? Würde mich freuen, wenn ihr mir einen Kommentar da lasst!

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9 Gedanken zu „Müllvermeidung unter Zeitdruck

  1. Bei mir liegt es an den Gelegenheiten, ich kann auf unserm Markt kein z.b Reis kaufen. Und Haushaltszubehör, wie Schwämme, u.a sind oft Verpackt. Ich war letztens entsetzt was da alles auf dem Kassenband lag ob wohl ich darauf achte wenig Plastik zu konsumieren. Aber beim Einkauf scheitert das, gerade weil ich es mir auch nicht so leisten kann kilometer weit zu fahern um Platikfrei im Einfüllladen einzukaufen.
    LG Marion

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  2. Hallo Pip, erstmal Glückwunsch, dass du das zweite Staatsexamen hinter dir hast! Mir geht es ähnlich wie dir, wenn man seinen Routinen – aus welchen Gründen auch immer – nicht nachgehen kann, ist es mit der Müllvermeidung echt schwierig! Umgekehrt ist es dir aber bewusst, und das ist glaube ich die Hauptsache! LG aus dem Umzugschaos mit viel zu viel Fastfood 😔

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  3. Hallo Klein Pip!
    Toll dass Du so reflektiert neu ran gehst ans Müllproblem! Sowieso Hut ab für das was Du bisher erreicht hast. Wenn ich an mein zweites StEx zurückdenke erinnere ich mich auch nur an einen Riesen-Prüfungsstress, nicht daran dass ich noch für irgendwas anderes Zeit gehabt hätte 😉
    Und nun, wo Du durch bist, machst Du weiter, guuuut!
    Liebe Grüße Birte

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  4. Hallo Pip,
    erstmal Glückwunsch zur bestandenen Prüfung.
    Es sind nicht nur Stresssituationen sondern auch Erkankungen z.B. Erkältungen,Rücken und Verletzungen,
    die mich wieder aus der Bahn werfen.Oder bei sehr heißem und schwülen Wetter.
    Älterwerden macht es auch nicht einfacher.
    Aber solche ehrlichen Berichte sind wichtig und eben weitermachen und nicht aufgeben.
    Mittlerweile kaufe ich nicht mehr so kopflos,sondern erfülle mir einen Wunsch(Wunschliste machen).
    Ansonsten schaue ich mir schöne Sachen an und genieße es so,ohne zu kaufen.
    Liebe Grüße

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  5. Hallo Pip!

    Wie schön wieder von Dir zu lesen! Ich hoffe, der Beitrag kommt noch zu EiNaB? Würde mich freuen!

    Gerade stehe ich auch sehr unter Zeitdruck und deshalb kann ich Dir das alles sehr gut nachfühlen. Mir hilft in der Situation, dass ich ein kleiner Hamster bin und viele Vorräte habe, von denen ich in den Zeiten zehre.

    So habe ich im Sommer Zucchini in Tomatensoße eingekocht und auch einiges an Gemüse eingefroren. Reis, Nudeln & anderes Getreide habe ich auch auf Vorrat. Da kann ich immer was Leckeres kochen ohne einkaufen gehen zu müssen.

    Sehr gut finde ich die Wunschliste, bis jetzt hat es kaum etwas geschafft, tatsächlich gekauft zu werden 🙂 Meist ist nach kurzer Zeit dieser „willhaben“Drang verschwunden.

    Herzlichen Glückwunsch zur Prüfung auch von mir!

    lg
    Maria

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    1. Danke, Maria! Ich habe deine Texte immer treu gelesen, auch wenn ich selbst nichts geschrieben habe — besonders der, in dem du schreibst, du möchtest dich in Zukunft beim Bloggen nicht mehr unter Druck setzen und nur dann etwas schreiben, wenn es dich wirklich bewegt, spricht mir aus dem Herzen!
      Viele liebe Grüße!
      Pip

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  6. Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung!
    Daß man unter Druck nachgibt, ist normal und bei Zeitdruck leiden dann logischerweise die Sachen, die etwas mehr Zeit erfordern…

    Einen Tip habe ich aber noch für Deine Liste: niemals hungrig einkaufen gehen! Egal ob es sich um Lebensmittel, Kleidung oder sonstwas handelt, der Mensch neigt dazu, immer zuviel zu kaufen, wenn er hungrig ist. Warum das so it, weiß ich auch nicht, aber wenn man sich mal selbst beobachtet, merkt man, dass es funktioniert.

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