Klamotten shoppen mit gutem Gewissen: 2. Hand

Der Herbst ist bei mir immer eine Zeit, in der ich sehr viel neue Kleidung kaufe. Also, „viel“ im Vergleich zum restlichen Jahr, nicht im Vergleich zu absoluten Zahlen, denn ich denke, dass ich insgesamt recht wenige Klamotten kaufe. Aber zweimal im Jahr, nämlich im Frühjahr und im Herbst, wenn die warme Jahreshälfte von der kalten abgelöst wird (und umgekehrt), dann muss es eben sein:

Die dünnen Sommersachen werden ad acta gelegt und überprüft, ob bei den warmen Wintersachen  und den Ganzjahresbasics irgendetwas fehlt oder ausgetauscht werden muss. Sei es, dass über das vergangene Jahr hinweg etwas kaputt gegangen ist, sei es, dass sich mein Modegeschmack oder meine Kleidergröße geändert haben oder ich vielleicht auch irgendwann einmal ein paar Fehlkäufe getätigt habe, die ich nicht gut mit dem Rest meiner Garderobe kombinieren kann und durch passenderes ersetzen möchte: Jetzt ist der Zeitpunkt dafür gekommen.

Doch dadurch stehe ich gleichzeitig auch vor einem Dilemma: Dass Kleider heutzutage seltenst nach sozialen und ökologischen Standards hergestellt werde, dürfte spätestens seit dem Rana-Plaza-Unglück in Bangladesch vor einigen Jahren wohl kaum jemandem neu sein. Daher sollte man sich stets vor Augen halten, dass man jedes Mal, wenn man sein hart verdientes Geld für herkömmliche Kleidung ausgibt – und damit ist nun bei weitem nicht nur die allseits verteufelte „fast Fashion“ à la H&M gemeint, denn auch höherpreisige Modelabels lassen in der Regel kein bisschen anständiger produzieren -, unterstützt man damit ein Unternehmen, das mit den eigenen (jedenfalls meinen) ethischen Überzeugungen hinten und vorne nicht übereinstimmt. Da können auch Greenwashing-Kampagnen zum Textilrecycling nichts dran ändern…

Was also tun? Eine Möglichkeit wäre natürlich, nur noch bei zertifizierten Fairtrade- und Ökomarken zu kaufen (worüber ich sicher bei Gelegenheit auch einmal berichten werde), doch die sind leider nach wie vor eher schwer zu finden, teuer und nicht alle sind so transparent bezüglich ihrer Produktionsbedingungen, wie es einem lieb wäre. Und häufig auch nur übers Internet zu beziehen, wenn man nicht gerade vor Ort wohnt.

Eine andere Möglichkeit, die ich mittlerweile sehr gerne nutze, ist der Second-Hand-Laden um die Ecke. Gebrauchte Klamotten zu kaufen, hat nämlich gleich mehrere Vorteile:

  1. img_0017ist es aus ethischer Sicht relativ irrelevant, wie die erstandenen Kleidungsstücke produziert wurden. Nein, natürlich ist es das nicht, aber wenn ich sie gebraucht kaufe, unterstütze ich damit nicht die unethische Produktion der Teile und brauche deswegen schon mal kein schlechtes Gewissen zu haben.
  2. bewahre ich gut erhaltene Kleidung, die jemand anderes aussortiert hat und nicht mehr haben möchte, davor, im Müll zu landen, sondern sorge dafür, dass sie weiter ihrem Daseinszweck dienen kann, was dem Reuse-Gedanken der Zero-Waste-Bewegung entgegen kommt.
  3. wurden für das erstandene Kleidungsstück keine Ressourcen zur Herstellung benötigt, da es ja bereits existiert. Also ein Bonus für die Umwelt.
  4. kann ich dadurch ein lokales Unternehmen und/oder eine Wohltätigkeitsorganisation unterstützen, von der der Second-Hand-Laden betrieben wird. Z.B. gibt es ganz in meiner Nähe einen Laden des Rotem Kreuzes, der auf ehrenamtlicher Basis betrieben wird, gebrauchte Kleidung sehr günstig weiterverkauft und sogar Leuten, die entsprechende Bedürftigkeit nachweisen können, zusätzlich noch einmal 50% Preisnachlass gewährt. Ähnliche Läden gibt es beispielsweise auch von der Aktion Hoffnung in einigen Städten. Das ist mir tausendmal lieber als irgend eine internationale, absolut unpersönliche Modekette zu unterstützen.
  5. erkennt man bei gebrauchter Kleidung, die bereits getragen und gewaschen wurde, viel leichter Schwächen in der Qualität, die sich bei neuen Stücken oft schon nach kurzer Zeit zeigen: Teile, deren Farbe verblichen, deren Schnitt ausgeleiert oder deren Nähte ausgefranst sind, sieht man eben gleich auf den ersten Blick und kann sich auf Kleidungsstücke konzentrieren, die trotz ihres gebrauchten Zustands noch hervorragend erhalten sind. Das verringert die Gefahr von Fehlkäufen mit schlechter Qualität immens.
  6. kann ich bei dieser Gelegenheit gleich meine zuvor aussortierten Klamotten mitbringen und abgeben (frisch gewaschen und in hervorragendem Zustand, versteht sich!) in der Hoffnung, dass sie jemand anderes brauchen und lieb gewinnen kann. Also der Reuse-Gedanke anders herum.

Freilich muss man bei gebrauchten Kleidungsstücken auch etwas genauer hinsehen, ob sie nicht irgendwelche Flecke oder Löcher haben, und findet nicht die allerneueste Mode. Und natürlich kann man ein Teil, das ein bisschen zu groß oder zu klein ist, nicht einfach in einer anderen Größe anprobieren. Auf der andern Seite gibt es häufig wirklich gut erhaltene Klassiker, die eben nie aus der Mode kommen, zu einem wirklich günstigen Preis. Mit etwas Geduld und der Bereitschaft, ggf. auch erst beim zweiten oder dritten Besuch etwas passendes zu finden, kann man hier wahre Schnäppchen machen.

Ich denke, gebraucht zu kaufen, ist mit die nachhaltigste und ressourcenschonendste Möglichkeit zu konsumieren, daher kann ich nur jedem ans Herz legen, es auszuprobieren! Habt ihr auch schon Erfahrungen mit Second-Hand-Einkäufen gemacht? Schreibt sie mir doch in die Kommentare!

Viele liebe Grüße,
eure Pip

P.S.: Ich hatte überlegt, einen „Haulternative“-Blogeintrag zu verfassen, in dem ich die Kleidungsstücke, die ich in den letzten Wochen gekauft habe, vorstelle, analog zu den „Haul“-Videos, die es auf Youtube häufig gibt. Bin mir aber nicht sicher, ob euch das interessiert oder ob diese „Hauls“ insgesamt nicht ziemlich albern bzw. fragwürdig sind. Was meint ihr?


Diesen Beitrag werde ich bei der EiNaB-Blogparade einreichen!

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7 Gedanken zu „Klamotten shoppen mit gutem Gewissen: 2. Hand

  1. Super Sache, ich komme auch gerade aus dem Second Hand Shop. Einerseits habe ich vieles hingebracht, das nicht mehr passt. Andererseits eine tolle Hose in rot erstanden: noch völlig ungetragen. Ich liebe Second Hand! Vor allem, weil man tolle Sachen bekommt, die nicht jeder hat und zum anderen, weil Dinge, die nicht mehr passen und noch gut sind, eine neue Heimat finden. Das gleiche gilt für Tauschbörsen. Da kann man sich auch gleich mit der neuen Besitzerin freuen. Im Frühjahr hat bei einer solchen Börse eine Freundin Stiefel von mir mitgenommen, die sie nun täglich in der Arbeit trägt. Und ich freue mich, dass sie ein zweites Leben erhalten…
    Viele Grüße Sylvia

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  2. Hallo Pip,

    ich finde die Hauls bei youtube auch immer etwas dämlich. Aber ein „Haulternative“ klingt schon spannend, da nachhaltiges und müllreduziertes Einkaufen ja schon noch mal was anderes ist, als zu H&M zu gehen und alles zu kaufen, was einen anspricht. 😀

    Liebe Grüße,

    Frieda

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  3. Hallo Pip!

    Lustig, ich habe das Thema Herbst/Winterkleidung gestern und heute auch in einen Blogbeitrag verarbeitet. Allerdings wird er erst in 11 Tagen veröffentlicht. Vielleicht findest Du dann noch ein paar Anregungen.

    Zum Thema von Dir – Second Hand Kleidung – kann ich natürlich in jedem Punkt nur zustimmen. Selbst halte ich es schon seit über 3 Jahren so und werde das ganz sicher nicht mehr ändern. Macht einfach Sinn!

    lg
    Maria

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  4. Über den ersten Punkt denke ich jedes Mal nach: Ich habe das Gefühl, dass man eben doch die Unternehmen unterstützt, wenn auch nur indirekt. Wenn man bestimmte Marken auch Secondhand nicht kauft, mindert man den Wert und vllt kann das dazu führen, dass die Sachen irgendwann nicht mehr gekauft werden, weil sie nicht wieder verkauft werden können. Ich bin noch nicht zu einem Ergebnis gekommen, was sinnvoll ist.
    Allerdings findet man leider selten Sachen auf dem Secondhandmarkt, die sozial und ökologisch hergestellt wurden.
    Trotzdem kaufe ich auch Secondhand keine Primarksachen.

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    1. Hallo Sanftmut,
      also, an Second Hand gekauften Sachen verdient der Hersteller gar nix, insofern unterstützt du ihn auch nicht. Worauf ich achte, ist, dass die Kleidung keine sichtbaren Markenlogos o.ä. trägt, denn ich will ja keine wandelnde Reclametafel für unethische Kleidung werden.
      Soweit ich festgestellt habe, sind die meisten Sachen der typischen „fast fashion“ Marken sehr leicht daran zu erkennen, dass sie nach ein paar Wäschen schon sehr mitgenommen aussehen, sodass ich sie gebraucht sowieso nicht mehr kaufen würde. Manche Bsics von H&M und co. kann man hingegen nicht von denen hochpreisigerer Marken unterscheiden, insofern ist es mir dann wurscht, von wem das gebraucht erstandene weiße T-Shirt produziert wurde.
      Viele Grüße,
      Pip

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